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Rainer Sander |
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Buchdetails |
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Preis: 17,80 € |
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Kurzbeschreibung + Leseprobe
Kurzbeschreibung Nach einer scheinbar flüchtigen Begegnung in Arins (47) Firma, beginnt für ihn und Nasirah (27) eine behutsame Annäherung, ausschließlich über E-Mail und SMS. Die Dialoge gewinnen zunehmend an Tiefe und Intensität, werden von Geschäftspost zu einer eigenen privaten „Mail-Kultur“. Beide stellen fest, dass sie sich schon als sie Kinder waren oft begegnet sind. Schicksalhafte Daten überschneiden sich. Ihre Geburt war der Tag, an dem er aus der Stadt in die Provinz zog und einen neuen Lebensabschnitt begann. Eine Vorsehung?
Das Buch beschreibt 12 Monate Wechselspiel von Nähe und Distanz, dem Lösen aus bestehenden Beziehungen und eine Liebe voller Zärtlichkeit und leidenschaftlicher Erotik, die aber auch geprägt ist von Disharmonien und Spannungen. Und die entstehen nicht nur aus dem Altersunterschied. Trennungen ohne Loslassen können sind die Folge und es passieren viele schicksalhafte Dinge, die bis in die Zeit der Kelten vor 2500 Jahren zurückzureichen scheinen. Das hoffnungsvolle Ende fordert die Phantasie des Lesers.
Einen kleinen Rahmen bilden Songtexte von Fish (Marillion), der die Lyrics persönlich freigegeben hat und Runrig.
Leseprobe Arin war ernüchtert, leer, ausgebrannt. War der Traum wirklich zerplatzt? War da nichts mehr? Sollte diese ganze Geschichte, diese einzigartige Auseinandersetzung um Zuneigung und Liebe, diese schicksalhafte Verbindung, diese innigen Botschaften alles nur eine große Illusion gewesen sein? War es nicht die große Liebe, die enthüllt werden wollte und dann ewig halten sollte? Er war überhaupt nicht der Typ in solchen Situationen zu resignieren. Nasirah übrigens auch nicht! Am Sonntagabend schon hatten es beide nicht mehr ausgehalten. Arin fühlte sich plötzlich niedergeschlagen wie selten. Er hatte sich so sehr vorgenommen, keinen Kontakt aufzunehmen, ihr nicht mehr hinterher zu laufen. Sie hatte entschieden und er dies einfach ernst nehmen müssen. Dabei hätte er nichts lieber getan, als sie zu besuchen, einfach vor der Tür zu stehen und zu sagen bitte: ‚Hier bin ich!’ Und viel hätte nicht gefehlt, diesen Wunsch auch umzusetzen. Und bei dem Gedanken schossen ihm die Tränen in die Augen. Gegen Abend meldete sich Nasirah, die drei Tage Schweigsamkeit ebenso wenig ertragen konnte:
„Der Dominik hat eine andere. Er hat Silvester schon mit ihr geschlafen und ich will ihn jetzt wirklich nicht mehr und er mich auch nicht! Und ich vermisse Dich!“
„Oh, das tut mir aber leid! Und jetzt erinnerst Du Dich an mich? Findest Du im ‚Chinatown’ keinen passenden Ersatz?“
„Du nimmst meine Gefühle für Dich nicht mehr ernst. Aber auch das muss ich verstehen. Niemals bist Du ein Notnagel und mich fasziniert auch nicht jeder interessante oder nette Mann. Du weißt, dass Du etwas Besonderes für mich bist. Ich hätte von Beginn an eine Zeit für mich leben müssen, das werde ich jetzt tun können. Aber auch meine Gefühle für Dich verschwinden - unabhängig von meinen Entscheidungen und ihren Konsequenzen - nicht. Wir sind - oder besser ich bin nicht umsonst so weit gegangen. Egal, wohin es mich führt, es war echt! In der Zeit, in der ich allein sein werde, werde ich hoffentlich auch viel über mich und meine Art zu handeln und zu fühlen herausfinden. Ich danke Dir noch einmal für Deine Worte. Sie geben mir mehr als die jedes anderen. Schlaf gut…“
Arin legte seinen Sarkasmus schnell ab, der ihn für einen Moment vor einer neuen Runde der Enttäuschung schützen sollte. Er freute sich doch so, dass sie sich gemeldet hatte. Ganz früh schon sahen sie sich am nächsten Morgen im Büro. Arin ging selbstbewusst an ihr vorüber, dabei hätte er sie so gerne umarmt, sie geküsst, ihren Körper gespürt. Er setzte jetzt den Dialog fort:
„Entschuldige bitte! Ich weiß nicht, was Du jetzt brauchst, ich weiß nicht, was Du jetzt fühlst; ich weiß nicht, wohin Du jetzt gehen wirst. Ich vertraue Dir, dass Du Deinen Weg gehst, den, der für Dich der Richtige ist! Ich spüre, dass ich mit dem Ausgang Deiner Geschichte vielleicht nichts mehr zu tun habe. Womöglich hast Du jetzt mir gegenüber ein schlechtes Gefühl. Das darfst Du nicht! Ich sehe Dich, wie Du bist, mit Deiner großen Sehnsucht, die sich nicht erfüllt und Deiner großen Liebe, die Du nirgends unterbringst… Da ist wenig Raum für die Gefühle derer, die Dich umgeben. Und doch liegt darin Dein Schicksal und vielleicht auch meins. So kommt schwer da zusammen, was zusammen passt, wenn wir nicht das annehmen können, was zum Greifen nahe ist… Was wünscht Du Dir?“
„An erster Stelle steht wohl der Wunsch, dass endlich Ruhe und Beständigkeit in mein Leben einkehren. Dann wünsche ich mir, so stark zu sein, dass ich zu all meinen Gefühlen stehen kann und sie umzusetzen in der Lage bin. Und bei all dem wünsche ich mir, dass Du da bist. Und was wünscht Du Dir, mein Lieber?“
„Bis vor drei Tagen habe ich mir gewünscht, mich Dir vertrauensvoll zu nähern, die Wege zu Ende zu gehen, die wir gemeinsam begonnen haben… Ich möchte gerne mit Dir alt werden, Nasirah, mit Dir leben und alles mit Dir teilen!“
„Verstehst Du aber auch, dass man sich mit einer solchen Verantwortung und diesem Geflecht aus Emotionen und äußerlichen Gegebenheiten nicht wirklich fallen lassen kann? Es macht Druck und lässt Dich nicht mehr impulsiv sein! Ich verstehe das, aber für die Liebe ist es so schwer! Gerade dann, wenn alles nur so nach Zeit schreit…!“
„Zeit? Hast Du ein Gefühl dafür bewahrt, wie viel Zeit Du Dir bereits genommen hast und wie viel ich ertragen habe? Ich hatte heute das Gefühl, mich völlig zu verlieren. Ich habe manchmal gedacht, dass Du mich nur testen willst auf meine Ernsthaftigkeit…“
„Nein, das stimmt doch nicht! Ich weiß aber, dass ich das alles erst verarbeiten muss, um etwas Neues wirklich zu beginnen, auch wenn ich es im Grunde schon so lange begonnen habe. Auch Dir und Deinem gesamten Umfeld würde ich keinen Gefallen tun! Mich verbinden solch intensive Gefühle mit Dir! Das spricht alles nicht dafür, dass ich Dich nicht will! Ich will Dich viel zu oft, viel zu sehr! Deshalb ist alles so, wie es jetzt ist! Wie nah dran, Dich zu verlieren, warst Du denn heute? Magst Du mir das sagen?“
„Nasirah, ich habe Dich so unendlich lieb und ich war heute so verzweifelt Dich zu sehen, Dich nicht berühren zu können. Ich habe eine ganze Weile in meinem Büro geweint und die Vorstellung, dass das jetzt so weiter geht ist nicht sehr beruhigend! Ich fühle mich wie an einer langen Leine, mit der Du meine Emotionen und mein Handeln kontrollieren kannst“
„Warum sagst Du mir so etwas denn nicht? Du hast heute Morgen so gefasst, sortiert und ausgeglichen gewirkt. Das habe ich nicht gespürt. Ich kontrolliere doch nicht. Es geht mir heute schon besser als gestern, weil sich das Gefühl von Angst und Schuld in ein Gefühl von Freiheit und Abschluss verwandelt hat. Nicht zuletzt durch Dich! Vielleicht hätte ich Dich heute genau so gerne bei mir gehabt. Wie kann ich Dir nur zeigen, dass es auch mir ernst ist?“
„Ich weiß es nicht, Nasirah, ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass ich Dich so liebe, wie noch nie eine Frau zuvor. Ich brenne und Dich umgibt so eine fürchterliche Kälte!“
„Wir müssen uns bald mal wieder alleine sehen. Es ist fürchterlich, all diese Emotionen per SMS auszudrücken. Du verstehst mich so oft falsch! Bitte! Ich würde Dich jetzt gern im Arm halten, Du würdest spüren, dass ich nicht kalt bin! Schlaf gut mein lieber Schatz, es wird doch alles gut!“
„Schlaf gut, Nasirah, Ich geb’ Dir einen lieben Kuss auf die Stirn. Vielleicht spürst Du ihn…“
„Guten Morgen, Arin! Magst Du heute Abend zu mir kommen? Ich würde Dich - glaube ich - gerne sehen.“
„Nichts lieber als das, aber ich bin unsicher geworden. Was stellst Du Dir vor?
„Ich muss doch umschalten, ich brauch doch so viel Kraft. Ich stelle mir nichts vor für heute Abend. Ich will Dich sehen und mit Dir reden. Ich hab’ Dir eben eine lange Nachricht geschrieben und dann wieder gelöscht, weil ich den Eindruck hatte, Du würdest jedes Wort falsch interpretieren…“
„Sagst Du mir noch, was mit Dominik ist?“
„Ich habe noch einmal sehr lange mit ihm geredet und habe jetzt wirklich das sichere Gefühl, alles abgeschlossen zu haben. Vielleicht redet er es sich ein, aber er scheint auch abgeschlossen zu haben. Ich musste einfach noch einmal alles verarbeiten… Und ich kann loslassen. Ich habe wirklich das Gefühl, dass ich zwar alles mit meinen Gefühlen zu Dir kaputt gemacht habe, aber das war es eh und das war es wert. Ich bekenne mich doch zu Dir!“
Sie begegneten sich an diesen Abend mit dieser Belastung, aber offen. Nasirah vermittelte ihm das Gefühl, ihm wichtig zu sein, dass sie nicht mit ihm spielen wolle. Arin war immer noch sehr zerrissen. Er wollte sie so sehr und das war ihr unheimlich. Nasirah hatte nicht das Gefühl, dass er sie liebte. Wenn es etwas anderes wäre, wenn er nur eine Herausforderung suchte? Warum stellte er sonst immer alles in Frage?
Aber wie war das bei ihr, wenn sie ihm gesagt hatte, dass sie bei Dominik bleiben wollte? Es hatte nie ihre Gefühle zu Arin verändert. Sofort vermisste sie seine Botschaften, seine Worte, seine liebevolle Art, die ihr so unbeschreibbar viel Kraft gaben, in ihrem Leben etwas zu verändern. Es war manchmal so, als hätte er begonnen eine Oberfläche abzutragen, weil er mit seinen Worten das richtige Werkzeug dafür gefunden hatte. Niemals hatte sie sich so verstanden gefühlt, wie in den Dialogen mit Arin. Und, das wusste sie, würde sie niemals in ihrem Leben wieder hergeben wollen. Niemals! Egal, was sie sonst tat und sagte, das hätte Bestand. Ihr: „Ich habe Dich so sehr lieb,“
drückte diese Empfindung aus. Und was war es bei ihm? Worin hätte sie seine Beständigkeit erkennen können? Was würde ihr Sicherheit geben, selbst wenn er sagte, dass er nun nicht mehr wolle, nur weil sie um Zeit bat?
Der nächste Morgen begann mit eben dieser Angst. War er noch da?
„Guten morgen, mein Lieber. Ich hoffe, Du hast gut geschlafen. Ich mache mir solche Sorgen, dass Du das alles nicht aushältst und ich tue Dir ständig weh…“
„Mach Dir Keine Sorgen, Du gibst mir so viel Kraft! Gestern habe ich daran gezweifelt. Und jetzt, nachdem Du Dich geöffnet hast, spüre ich das! Und es ist schön! Du siehst – was uns betrifft – vieles, dass ich nicht sehe und ich finde es schön, auch ein wenig geführt zu werden, von einer Frau, der ich vertraue, selbst wenn’s manchmal weh tut. Ich weiß, was ich gewinnen kann!“
Es änderte sich nichts in den nächsten Tagen. Sie genoss die Zeit, die sie sich nahm, war viel mit ihren Geschwistern unterwegs oder saß in ihrem Zimmer, hörte Reinhard Mey, Blackmores’s Night, Wolfsheim und dachte einfach nur nach über ihren Weg, den zurückgelegten und die Strecken, die sie noch vor sich sah. Und immer, wenn sie in die Zukunft schaute, war dort Arin und diese Zuversicht, er würde sicher dort sein, die war es, die ihr ganz viel Energie gab, an sich selbst zu arbeiten, an der Zukunft und sich die Vergangenheit anzuschauen, die sie bisher so oft ausgeblendet hatte. Das ging aber nur, wenn er nicht da war. In seiner Nähe füllte er den ganzen Raum, dann blieb kein Platz mehr für ihre Gedanken. Deshalb war es so wichtig, dass sie Zeit für sich hatte…
Nasirah wachte einmal mehr durch das Klingeln ihres Handys auf. SMS:
„Ich wünsche Dir einen guten Tag. Ich denke an Dich!“
Es verging kein Morgen, an dem Arin nicht eine SMS geschickt hätte, kein Moment, in dem er nicht an Nasirah dachte, ihr nicht lieber mit Worten gesagt hätte, was er ihr wünscht, was sie ihm bedeutet. Es war so vieles, was er ihr zu sagen hätte. Die Worte gingen beiden ja niemals aus. Ihm war, als würde er überquellen, so viele Gefühle waren in ihm, so viel wollte er geben, so viel für sie da sein.
"Ich hatte Dich bei mir und habe gut geschlafen..."
"Hast Du Lust in der Mittagspause mit mir spazieren zu gehen?"
"Ich habe viele Kliententermine und Du weißt, ich nehme meine Arbeit sehr ernst!"
"Frag doch Deinen Chef, ob Du darfst?
"Du bist süß! Vielleicht hast Du recht... Ich melde mich bei Dir!"
Es war ein trüber, unfreundlicher Wintertag. Als sie in Treysa durch den Stadtwald gingen, spürten sie die feuchte Kälte, die durch jede Kleidung drang. Arin war noch mitten in seinem Kampf um sie. Nasirah gab ihm genügend Raum, diesen Kampf zu leben, doch erobern ließ sie sich nicht. Noch lange nicht:
"Es ist so, dass ich immer in einer Beziehung unzufrieden bin, immer das Gefühl habe, dass es noch jemanden gibt, der besser zu mir passt."
Arin verstand diesen Satz. Er hatte oft genug genau das Gleiche gefühlt:
„Wir sind uns so ähnlich. Das wird mit jedem Lebensjahr, mit jeder Beziehung heftiger. Jedes Mal sind es mehr Dinge, die mich an einer Frau irritieren. Ich denke immer, es wird eine geben, an der mich weniger stört...“
"Vielleicht werde ich nie eine dauerhafte Beziehung führen können..."
Auch diese Angst kannte Arin von sich selbst:
"Aber ich spüre tief drinnen, dass es eines Tages anders sein wird und ich glaube ganz sicher, dass Du diese Frau bist, bei der ich mich fallen lassen kann!"
"Es ist so schön, dass Du daran glaubst, aber ich kann es nicht annehmen, jetzt nicht annehmen. Ich weiß nicht, was aus uns wird, ich spüre nur, dass es Zeit braucht, viel Zeit! Ich muss jetzt meine Freiheit haben. Ich genieße das jetzt so."
Aber sie nahm ihn dabei in den Arm und hielt ihn ganz fest, als wolle sie noch sagen:
„Aber ich weiß auch längst, dass ich ohne Dich nicht mehr sein kann – aber ich kämpfe doch nur noch mit mir selbst…“
Die nächsten Tage verliefen einigermaßen entspannt, ohne Verletzungen, ohne Trennungen. Arin zwang sich dazu, seine Arbeit zu machen, seine eigenen Emotionen im Griff zu behalten und ihre Schwankungen und Zerrissenheiten ernst zu nehmen, ihnen aber nicht mehr blind zu folgen. Es waren ihre Wege und die konnte er nicht immer mitgehen, manchen Pfad musste sie alleine beschreiten. An Wochenenden trainierte Arin jeden Tag. Er lief immer eine Strecke zwischen 10 und 15 Kilometern. Mal rüber nach Michelsberg, mal Richtung Linsingen. Heute rannte er direkt über den Sendberg. Er hatte an diesem Tag das Gefühl, der Berg wolle ihm etwas sagen, er würde ein Geheimnis preisgeben und er dachte, er könne eine Ausstrahlung spüren, um ihm die Stärke und Kraft zu geben, die er jetzt gut gebrauchen könnte.
Er lief über das Hochplateau und an einigen Stellen, auch wenn er diese kannte, schon unzählige Male hier gewesen war, fing es heute an ihn zu schaudern. Er war bereit etwas wahrzunehmen und er spürte eine enorme Energie, folgte ihren Feldern, und wie sie ihn durchflutete. An einigen Orten kribbelte es im ganzen Körper, an manchen begann er schwer zu atmen. Und es gab Punkte, da fühlte er sich leicht, da gab es überhaupt keine Wirkung.
Er ging zuerst den Weg bis zum Aussichtspunkt zum Knüll hinüber. Dort nahm er etwas Positives wahr. Er ging ein paar Meter zurück, entdeckte eine uralte Eiche, deren Borke sich wie Kork anfühlte. Sie war warm, obwohl es mitten im Winter und richtig kalt war. Der Atem war bei jedem Ausatmen zu sehen. Aber immer dort, wo er etwas spürte, erlebte er Schauer, die seinen Körper zittern ließen und die ihm sogar das Gefühl von Wärme gaben. Hinter der Eiche, zwischen vielen kleinen Laubbäumen, schien etwas Bedrohliches zu sein. Es zog ihn weiter, als müsste er diesen Ort verlassen. Er sah Menschen, die hier gelebt hatten. Kelten? Er sah viele Gebilde, die er noch nicht einzuordnen verstand.
Er joggte den Weg zum Hochmoor und es trieb ihn nun regelrecht dorthin. Rund um Ackermanns See, wie das kleine Moor hieß, war die Energie am größten. Er dachte, wenn es der alte Vulkankrater des Sendbergs war, müsse hier noch viel positive Kraft aufsteigen.
Dann ging er den Weg auf der rückwärtigen Seite des Berges hinab, wo er noch nie gewesen war. Jetzt zog es ihn dorthin. Er hörte in seinen Gedanken Menschen, Kinder, sah Hütten, aber es war alles unklar. Er bekam Lust zu graben und nach Fundstücken aus einer keltischen Vergangenheit zu suchen. Hier war Gutes und Schlechtes, Angenehmes, sowie Belastendes und es schien ein Gleichgewicht zu suchen.
Als er weiter ging, stand er irgendwann vor einer Baumgruppe. Es war eine Eingebung, aber die war so intensiv, so wirklich, dass es ihm angenehm unheimlich dabei wurde. Eine mystische Situation. Arin hatte sich nie mit Esoterik beschäftigt, es immer abgelehnt, Unerklärliches mit Übersinnlichem zu definieren. Alles, hatte er immer gesagt, sei logisch und wissenschaftlich belegbar, wenn nicht jetzt, so doch irgendwann. Nun folgte er einer Eingebung, dass hier etwas wirkte, was er noch nicht zu begreifen vermochte. Er wusste, dass schon C. G. Jung sich mit solchen Phänomenen beschäftigt hatte. Und nach Bernt Hellinger war es möglich Situationen mit anderen Menschen aufzustellen und eine absolute Authentizität zu erreichen. So wirkte die Situation auf ihn, welche er jetzt wahrnahm:
Da stand ein mittelalter Baum, ungerade gewachsen, zerrissen, mit vielen jungen Trieben, als wolle er noch einmal aufblühen. Arin selbst, der vielleicht durch eine junge Frau aufblühte? Ein Baum der das darstellte, stand nämlich etwas abseits. Und es schien Nasirah zu sein. Unnahbar, weil voller Äste, die sie undurchdringlich umgaben. Von hinten gab es einen kleinen Zugang durch die Äste, einen, den er ertasten konnte und er musste diesen Stamm in den Arm nehmen. Plötzlich roch er sie, spürte auch, dass sie ihm antworten wollte. Aber dazu musste er zwischen sie und einen weiteren, älteren Baum treten. Der sie nicht zu beschützen schien, der eher unbeteiligt dort stand. Er spürte keine Identität zu diesem Baum. Dominik? Kaum? Ihr Vater? Nach den Beschreibungen zu gerade – aber wer weiß? Ihr Opa? Er wusste es nicht, aber die Szene ergriff ihn. Sie wirkte nicht bedrohlich sondern friedlich, aber sie zeigte Verstrickungen, viel Zerrissenheit, wenig Glück, viel Kampf und die Verheißung einer Erfüllung. Nur: Für den Moment oder für eine Ewigkeit? Das zeigte sie nicht, er sah es nicht oder es war noch nicht entschieden.
Rainer Sander |
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1 Buch |
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Short MessageS Paperback (Großformat) 260 Seiten |